Sonntag, 26. März 2017
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Zahlsysteme

Zahlsysteme oder auch Paymentsysteme im Internet sind die Verfahren für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs bei Online-Geschäften. Es stehen eine Vielzahl unterschiedlicher Varianten zur Auswahl. Bei der Auswahl der Systeme, die in einen Webshop integriert werden, spielen eine Vielzahl von Aspekte eine Rolle.

Passend zum Geschäftsmodell müssen genau die Verfahren und Methoden eingesetzt werden, die die Zielgruppe akzeptiert und auf die sie positiv reagiert. Eine negative Bewertung der Bezahlmöglichkeiten durch die User führt augenblicklich zu Abbrüchen bei der Bestellung und damit unmittelbar zu Umsatz- und Gewinneinbußen. Zudem haben zahlreiche Studien erwiesen, dass mit der Anzahl der integrierten Zahlsysteme in einem Webshop der Umsatz proportional steigt. D.h. je mehr Verfahren zur Verfügung gestellt werden, desto höher die Akzeptanz. Die Kosten pro Zahlsystem sind dieser Regel gegen zu rechnen – der optimale Mix entscheidet. Weitere Entscheidungskriterien für die Auswahl eines Zahlsystems für den Betreiber eines Internet Shops sind Ausfallrisiken und Verfügbarkeit der Einnahmen.
Prinzipiell Zahlsysteme in 2 Kategorien eingeteilt werden:

1. Klassische Zahlmethoden
2. Internet Basierende Zahlmethoden

1. Klassische Zahlmethoden
Vor allem in Deutschland werden die klassischen Zahlmethoden von den Online Kunden nochbevorzugt. Je nach Modell bevorzugen entweder Käufer oder Verkäufer das Verfahren. Hier ein Überblick:

1.1. Rechnung
Der Kunde bezahlt die Ware nach Erhalt mit einer definierten Frist. Dieses Modell wird in der Regel bei Stammkundengeschäften verwendet. Es gibt aber auch Shopbetreiber, die fremden Kunden auf Rechnung liefern. Die Akzeptanz ist logischerweise sehr hoch und der Umsatz steigt dadurch überproportional. Eignet sich dann, wenn das geschäftsmodell einen hohen Ertrag ermöglicht, so dass Zahlungsausfälle von der übrigen Geschäften abgesichert werden können.

1.2. Vorkasse
Der Kunde zahlt vor Auslieferung der Ware den Rechnungsbetrag entweder durch Überweisung oder durch Scheck oder übermittelt seine Bankdaten für eine Lastschrift durch den Verkäufer. Für den Verkäufer ist das Risiko relativ gering, der Käufer muss jedoch ein hohes Vertrauen haben, das sich oft erst nach mehreren Bestellungen aufbaut. Zudem können Schecks ungedeckt sein und Lastschriften rückbelastet werden.

1.3. Online-Überweisung
Dieses sehr neue Zahlsystem ist eine Variante des Online-Banking. Es steht mit einem solchen Service im Shopsystem eine direkte Verbindung zum Online-Banking-Konto des Kunden zur Verfügung, mit dessen Hilfe der Kunde via PIN-/TAN-Verfahren eine Online-Überweisung tätigen kann. Der Händler erhält automatisch eine Nachricht über die erfolgte Überweisung und kann liefern. Services für die Online Überweisung sind z.B.

• Giropay (Zusammenschluss von Postbanken, Sparkassen u.a.)
• sofortüberweisung.de (Nachteil bei Online-Überweisungen ist, dass es sich auch um eine Vorkasse-Bezahlung handelt und der Kunde über einen Online-Banking Zugang verfügen muss. Außerdem muss er seine PIN-/TAN-Daten während der Bezahlung zur Verfügung haben.)

1.4. Nachnahme
Der Kunde zahlt an den Lieferservice bei Lieferung der Ware den Preis und muss in der Regel die Nachnahme Gebühr tragen. Bei Problemen in der Zustellung oder Annahmeverweigerung durch den Kunden ist die Bezahlung kritisch.

1.5. Lastschrift
Die Lastschrift ist auch eine Form der Vorkasse. Der Kunde übermittelt seine Bankdaten woraufhin der Händler den Geldbetrag über seine Bank vom Kundenkonto einziehen kann. Während der Käufer durch die Vorabzahlung ins Risiko geht muss der Händler das Risiko der Rückbelastung und der dadurch entstehenden Gebühren berücksichtigen. Außerdem beurteilen viele Onlinekäufer die Übermittlung der Bankdaten als Sicherheitsrisiko.

1.6. Kreditkarte
Bei der Bezahlung mit Kreditkarte muss der Kunde seine Kreditkartendaten über ein verschlüsseltes Übertragungsverfahren an einen Acquirer übermitteln. Diese Acquirer sind Kreditkartenbetreuer und arbeiten in der Regel mit allen gängigen Kreditkartenanbietern zusammen. Der Händler schließt mit dem Acquirer einen Vertrag und erhält gegen Bezahlung von Setup Kosten, regelmäßige Gebühren und Provisionen eine Schnittstelle, die im Shopsystem aufgerufen wird, wenn der Kunde Kreditkartenbezahlung auswählt. Der Aufruf der Schnittstelle erfolgt über SSL Verschlüsselung. Der Kunde wählt die gewünschte Kreditkarte aus und übermittelt seine Kreditkartendaten. Die Bestätigung der erfolgreichen Transaktion erfolgt sofort und der Händler kann die Ware versenden. Genau wie bei „Offline“ Kreditkartengeschäften erhält der Händler sein Geld erst nach einer gewissen Zeit und muss diese Zeitspanne zwischenfinanzieren. Kreditkartenzahlungen können aber in negativen Fällen rückwirkend storniert werden. Neben dem Zahlungsausfall trägt der Händler auch die Kosten der Stornierung. Kreditkartenzahlungen nehmen in Deutschland bei Online-Geschäften immer mehr zu. Dennoch gibt es bei Endverbrauchern noch Vorbehalte über die Herausgabe von Kreditkarten Informationen. In Deutschland stehen zahlreiche Acquirer mit unterschielichem Kreditkartenportfolio und Vertragskonditionen zur Verfügung.

2. Internetbezahlverfahren
Zusätzlich zu den klassischen Zahlverfahren, die auch außerhalb des Internets verwendet werden haben sich zahlreiche Online basierte Zahlsysteme entwickelt, die speziell für eCommerce verwendet werden.
Ein wesentlicher Bestandteil eines Online basiertes Zahlsystems ist der Vorteil, dass ein Internetkäufer seine Daten nur einmal an einen Bezahldienst übermittelt, die dann bei jedem Bezahlvorgang verwendet werden, sofern das Bezahlsystem vom entsprechenden Shop angeboten wird. Je mehr Bezahldienste ein Händler also anbietet, desto mehr Chancen hat er auf Kunden zu treffen, die in einem der Dienste registriert ist. Der Käufer hat durch den Einsatz einen Online-Bezahldienstes einen einfachen und bekannten Bezahlprozess und das Shopsystem vermittelt Seriosität durch den Einsatz des bekannten Online-Zahlsystems.
Händler profitieren durch den schnellen Transfair des Geldes, muss aber die Gebühren für den Dienst tragen. Deshalb macht es Sinn, vor dem Einsatz eines Online Payment Dienstes die Kosten eindeutig zu klären. Damit ein Bezahlsystem über genügend Verbreitung verfügt, bieten die Dienstanbieter zahlreiche Zusatzdienste für Käufer und Verkäufer.

Insbesondere beim Online-Verkauf von geringwertigen Gütern haben sich einige Online-Bezahlsystem Anbieter auf sogenanntes Micropayment, Bezahlung von kleinen Geldbeträgen spezialisiert. Denn hohe Gebühren für einzelne Transaktionen machen solche Geschäfte schnell unwirtschaftlich. Deshalb gibt es für diese Geschäftskonzepte geeignete Spezialisten.

4 Kategorien können bei Online basierten Bezahldiensten unterschieden werden:

2.1. E-Mail-basierte Verfahren
Hier werden E-Mail-Nachrichten zur Übertragung von Buchungsinformationen bzw. dem Austausch von Zahlungsinformationen genutzt. Bekannte Beispiele sind
• PayPal (Ist eine Tochterfirma von eBay und wurde speziell für Bezahlungen bei eBay entwickelt. Mittlerweile kann PayPal auch als Bezahlsystem in anderen Shops eingesetzt werden. Durch die hohe Bekanntheit des Systems gewinnt PayPal zahlreiche Verbraucher und Händler und hat sich stark durchgesetzt. PayPal ist sehr gut für internationale Geschäfte geeignet und ist für Kunden kostenlos.)
• Moneybookers
• Anypay

2.2. Karten-basierte Verfahren
Bei diesen Verfahren werden vorausbezahlte Guthabenkarten/Geldkarten des Zahlungsanbieters verwendet. Der Online-Kunde geht dabei in monetäre Vorleistung, der Händler hat damit die Zahlungsgarantie. Die Nutzung von Guthabenkarten garantiert dem Kunden darüber hinaus Anonymität und Kostenkontrolle.
Hier einige Beispiele:

• T-Pay MicroMoney
• GeldKarte
• Paysafecard

2.3. Mobiltelefon-basierte Verfahren
Für die Übertragung der Zahlungsinformationen wird bei diesen Verfahren das Mobiltelefon genutzt. Das Telefon dient dabei gleichzeitig der Authentifizierung des Online-Käufers. Hat der Kunde eine Bestellung im Internet aufgegeben, wird er über sein Handy aufgefordert, die Zahlung per Handy zu bestätigen. Der Rechnungsbetrag wird dann später auf die monatliche Telefonrechnung aufgeschlagen. Beispiele hierfür sind:
• T-Pay
• mpass
• Crand

2.4. Sonstige Inkasso- und Bezahl-Verfahren
Hierunter werden alle sonstigen Verfahren gefasst, bei denen fällige Beträge von Dritten eingezogen werden. Die einzelnen Beträge werden dann vom Zahlungsanbieter zusammengefasst und in einem Betrag dem Händler überwiesen. Damit wird dem Händler die Zahlung gesichert. Der Zahlungsanbieter erhält für diese Dienstleistung eine Provision. Hier einige Beispiele, die speziell für den elektronischen Handel entwickelt wurden:

• ClickandBy
• Infin Micropayement
• WEB.Cent
• T-Pay

Planung des Einsatzes von Zahlungssystemen
Bereits bei der Planung des Online-Shops sollte der Online-Händler der Preistransparenz, einer umfassenden Kundeninformation sowie den Sicherheitsanforderungen / Datenschutz einen hohen Stellenwert einräumen. Anhand einer Checkliste sollte schon in dieser Planungsphase eine Vorauswahl für das passende E-Payment-System erfolgen.

• Welche Bezahlsysteme für Ihren Online-Shop die richtigen sind, hängt von folgenden Kriterien ab:
• Welche Produkte werden verkauft (digitale oder physische Waren)?
• Wie hoch sind die Rechnungsbeträge, die über den Shop abgewickelt werden?
• Haben Sie nur nationale oder auch internationale Kunden?
• Welche Kundendaten sind für die Abwicklung des Online-Kaufs notwendig?
• Welche Bezahlverfahren werden von Ihren Online-Kunden (Zielgruppenanalyse) akzeptiert?
• Welchen Aufwand muss der Kunde betreiben, um online zu bezahlen?
• Wird eine Unterstützung wiederkehrender Zahlungen, z. B. für Abonnements, benötigt?
• Wie wird das Bezahlsystem den Anforderungen an den Datenschutz (Sicherheit der Kundendaten) gerecht?
• Welche einmaligen und wiederkehrenden Kosten verursacht der Einsatz der Verfahren?
• Welche technischen Voraussetzungen sind für die Integration des Bezahlsystems in den Online-Shop notwendig?

Fazit
Der Markt der Bezahlsysteme ist groß, teilweise recht unübersichtlich und sehr dynamisch. Bei der Planung eines entsprechenden Bezahlsystems für den Online-Shop sollten Warenangebot, Kundenakzeptanz, Umsatzerwartungen und Ausfallrisiken und die anfallenden Kosten wichtige Entscheidungskriterien sein.